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Dr. Rudi Prasse – ein Leben voller Leidenschaft

Dr. Rudi Prasse

Ich sehe meine Gedanken
Im Spiegel meiner Seele,
die mich im Innersten berühren,
auf geheimnisvolle Wege führen –
die Mächtigkeit aus vielen Zeiten
nun im Strom des Daseins gleiten.
Ich nehme es wahr und gebe sie weiter –
mal ernst – mal heiter.

- R. Prasse -

Am 23. September 2013 starb Dr. Rudi Prasse im Alter von 88 Jahren. Ein liebenswerter Familienmensch, warmherziger Freund, offener Zuhörer, Berater und Wegbegleiter, den Fairness, Großmut und Toleranz in besonderer Weise auszeichneten. Ein Mann mit einer Vielfalt an Fähigkeiten, Talenten und Begabungen, die ausreichen würden, mehrere Leben zu füllen. „Mein erstes Leben gehört der Kunst und Literatur“, beschrieb sich Rudi Prasse, der am 17. April 1925 in Zittau geboren wurde. Bereits sehr früh entwickelte sich in ihm ein drängendes, unbändiges Verlangen zu schreiben. Seinen Wunsch, Journalist oder Schriftsteller zu werden, machte der 2. Weltkrieg zunichte, der den in Rumänien Aufgewachsenen nach Deutschland zurückführte. Ausgebildet für die Luftwaffe, später auf dem Luftwaffenstützpunkt Dedelstorf stationiert, erlebte und erlitt er die Grauen des Krieges; Wunden die nur schwer verheilten und für immer tiefe Narben in seiner Seele hinterlassen sollten. Nach Kriegsende kehrte er aus der Gefangenschaft von Holstein nach Groß Oesingen zurück, wo er seine spätere Frau und Wegbegleiterin Elsa kennenlernte. 1948 nahm Rudi Prasse ein Studium der Veterinärmedizin in München auf. Parallel dazu studierte er Bildende Kunst. Eines seiner ersten Ölgemälde erhielt seine Frau Elsa als Weihnachtsgeschenk. Unzählige Bilder sind seitdem unter seinen talentierten Pinselstrichen entstanden – eine Lebensgalerie an Farben, Phantasie und Einfühlungsvermögen für Motive und Szenen, sensibel ausgeführt, prägnant und authentisch. Zwei seiner Ölgemälde haben in der Groß Oesinger Kirche einen ehrenvollen Platz erhalten.

Neben der Malerei, der Rudi Prasse Zeit seines Lebens mit Leidenschaft nachging, hielt er seine reichhaltigen Erfahrungen und Erlebnisse als Tierarzt in Tagebüchern fest, die Grundlage für seine späteren schriftstellerischen Erfolge werden sollten.

In unzähligen Lesungen quer durch den Landkreis faszinierte der gewitzte Satiriker seine Zuhörer mit Charme, Originalität und einem Feuerwerk aus Worten, die miterleben, mitfiebern, mitleiden und dadurch jede Lesung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließen. Rudi Prasse war nicht nur Satiriker. Seine besondere Liebe galt dem naturverbundenen, tiefsinnig denkenden und fühlenden Mann der Lyrik.

Lyrik - diese Musik der Worte, Novalis nennt es Sprachmagie, Zauberworte, die, geboren aus dem Leben, im Gedicht die Verwandlung in eine neue transzendente Wirklichkeit erfahren. Lyrik veröffentlichen heißt sich gefühlsmäßig preiszugeben - ein Wagnis, dem sich Rudi Prasse gestellt hat. In seinen lyrischen Signaturen begegnen wir ihm als sehnsüchtigen Träumer, phantasiebegabten Denker und kritischen Betrachter. Unermüdlich schürfte er in Sprache und Worten nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Nachdem er 1990 seine Praxis an eine seiner drei Töchter übergeben hatte, war an Ruhestand nicht zu denken. Rudi Prasse widmete sich seinem Schreiben, der Malerei und Musik. Er belegte an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig ein mehrjähriges Seniorenstudium der Kunstgeschichte und brachte seinen reichhaltigen Erfahrungsschatz engagiert in der Literaturwerkstatt der Kreisvolkshochschule Gifhorn ein, deren Ehrenmitglied er später wurde. Hier fand er Gleichgesinnte, die seine Liebe zur Kunst teilten, seine Meinung schätzten und ihn als Freund und Berater verehrten.

Zu Meilensteinen wurden gemeinsame Lesungen, ein Besuch der Plattenkiste des NDR und die gemeinsamen Treffen, in denen man sich die Köpfe über Kunst heiß redete. Besonders hervorzuheben ist sein Mitwirken, seine Regie und Moderation bei Konzerten und musikalisch-literarischen Veranstaltungen die unter dem Thema „Musik, Poesie und Malerei“, im Rittersaal des Gifhorner Schlosses über viele Jahre durchgeführt wurden. Ebenfalls federführend war Rudi Prasse für die im Erich-Weniger-Haus in Steinhorst durchgeführten Veranstaltungen „Jugend musiziert“, die im Januar 2013 20. jähriges Jubiläum feiern konnten. Rudi Prasse wurde zu dieser Veranstaltung für seine langjährige, verdienstvolle Mitwirkung würdevoll verabschiedet. Die Medienwerkstatt Isenhagener Land zeichnete Rudi Prasse mehrfach für die im Kabelfernsehen TV38 ausgestrahlten Literatursendungen „Lyrik & Prosa“, zuletzt im Interview als Zeitzeugen für den Film „Flieger im Isenhagener Land“ auf. Rudi Prasse arbeitete viele Jahre im Vorstand der AE Johanngesellschaft, beteiligte sich aktiv an vielen Veranstaltungen, die dem Publikum Leben und Werk des bedeutenden Reiseschriftstellers AE Johann näher brachten, zeichnete Videos auf, in denen er Texte von AE Johann las und war engagiertes Jurymitglied in der ersten und zweiten Staffel des Literaturwettbewerbes für Jugendliche. Als Laudator würdigte er Sieger des Wettbewerbes und ermutigte sie in ihrem weiteren Schreiben. Mit Freude sah er der 2. Preisverleihung am 19. Oktober 2013 entgegen, die zu erleben, ihm leider nicht mehr vergönnt war.

Rudi Prasse hat viele seiner Spuren in unseren Herzen hinterlassen. Wir finden ihn in seinen Worten und Büchern. Hier bleibt er für immer.

Wenn es Nacht wird

Wenn die Nacht am
Tannengewölbe beginnt,
sich Abendnebel treffen
Stille über Stille legt –
Schatten sprechen
über den verlorenen Tag,
der sich in Schuld verlor –

Wir –
gefangen
In zeitlich
engen Räumen

- R. Prasse -